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Cosplay – Spiel mit der Fiktion

Wer kennt das nicht? Sich zu verkleiden, kann durchaus reizvoll sein. Man kann das eigene Ich für kurze Zeit hintenanstellen und stattdessen die Eigenschaften der gewählten Figur annehmen. Und die Anlässe, sich kurzzeitig in jemand anderen zu verwandeln, sind so zahlreich wie unterschiedlich. So ist das Kostümieren für viele gar fester Bestandteil des Berufsalltags: Schon so manche Theaterbühne hat die Romanfiguren von Shakespeare & Co. zum Leben erweckt. Und, je nach Tradition, hat das Kostümieren in den einzelnen Ländern richtig differenzierte Ausprägungen, die vor allem eines gemein haben: Sie sind gesellschaftliche Ereignisse.

So kennen wir beispielsweise alle Bilder vom bunten Karnevals-Treiben in Brasilien, Deutschland und an vielen weiteren Orten dieser Welt. Die Praxis des Verkleidens blickt hier nicht selten auf eine lange Geschichte mit ganz unterschiedlichen Ritualen zurück. In diesem Artikel wollen wir aber eine bislang vielleicht eher unbekanntere Tradition ins Scheinwerferlicht rücken: Das Cosplay (vom Japanischen: „Kosupure“, aus dem Englischen: Costume Play – “Kostümspiel”).

Eine facettenreiche Bewegung

Eine Besonderheit dieser Art des Kostümspiels ist, dass die sogenannten Cosplayer nicht die Gestalt eines x-beliebigen Piraten, sondern die einer ganz konkreten Figur einnehmen. Der Auswahl der Charaktere ist dabei aber keine Grenzen gesetzt: Menschen, wie Musiker oder Künstler, Tiere oder häufig auch Fantasielebewesen – sie alle können als Cosplay dargestellt werden. Selbst bestimmte Gegenstände, die einen gewissen Kultstatus erreicht haben oder gar in Serien einen eigenen Charakter darstellen, können Thema eines Cosplay sein. So weit, so abstrakt? Dann lasst uns weiter zurück und damit in die Vergangenheit der noch jungen Bewegung blicken.

 

Comic-Helden als Startschuss

Über den konkreten Ursprung des Cosplay herrscht Uneinigkeit: mutmaßlich geht dieser jedoch bis in die 1980er Jahre zurück, als Besucher US-amerikanischer Science Fiction-Conventions im Kostüm ihrer favorisierten Charaktere erschienen. Der Begriff hingegen wurde zweifellos in Japan definiert und geprägt. So sorgte auch erst das mediale Interesse der Japaner sowie ihre Einflüsse aus der Manga- und Anime-Szene dafür, dass eine eigene Subkultur entstehen konnte. Nirgends auf der Welt scheint der Hype um Comic-, Trickfilm- und Videospielfiguren so groß zu sein, wie in Japan, wo fiktive Figuren einen beispiellosen Kultstatus erreichen können. Und genau dieses Phänomen trug maßgeblich zur Entstehung des Cosplay, wie wir es heute kennen, bei.

 

Viel Liebe zum Detail

Auf den ersten Blick entsteht dann auch schnell der Eindruck, dass Cosplay rein verspielter Natur ist. Doch die Darsteller/Cosplayer nehmen ihre Kunst sehr ernst und gehen mit Perfektionismus an die Umsetzung: Die Kostüme zeichnen sich durch eine besondere Liebe zum Detail aus und werden in den meisten Fällen auch selbst angefertigt. Bei der Realisierung geht es nicht darum, eigene individuelle Akzente zu setzen. Das Ziel ist, die Figur so detailgetreu und realistisch (sofern man das in diesem Fall überhaupt so sagen kann) nachzuahmen. Doch auch dabei soll es nicht bleiben, denn die  sogenannten Cosplayer schlüpfen nicht nur mithilfe eines Kostüms, sondern vielmehr durch ein perfekt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel aus Kleidung, Make-Up und Verhalten in die Rolle ihres (meist virtuellen) Vorbilds. Cosplayer leben die eingenommene Figur also mit Haut und Haar und erwecken sie so – zumindest für die Dauer des Spiels – quasi zum Leben. Umso spannender ist es natürlich, wenn verschiedene Anhänger dieser Bewegung aufeinander treffen. Etwaige Themenevents sind dann Schauplatz einer bunten Zusammenkunft von Charakteren, die im Zusammenspiel ihre ganz eigene Geschichte schreiben.

Von Japan aus in die ganze Welt

Von Japan aus erfuhr die Bewegung in den 1990er Jahren einen Boom und erfreut sich seither einer stetig wachsenden, wohlgemerkt internationalen, Fangemeinde. Auch in Deutschland ist die Bewegung des Cosplay spätestens seit Bekanntwerden von „Sailor Moon“ (ab 1996 im deutschen TV) zu beobachten. Mit steigender Begeisterung kam dann auch um 1999 die Etablierung erster Conventions auf, die sich mit dem Thema Anime/Manga auseinandersetzen. Diese Events waren und sind wichtig für die Entwicklung der Bewegung, da sie Gleichgesinnten nicht nur eine öffentliche Bühne bieten, sondern auch der Subkultur, der sie angehören, die notwendige Ernsthaftigkeit verleihen. In Deutschland spielt insbesondere die seit 2007 stattfindende Frankfurter Buchmesse eine wichtige Rolle, im Rahmen derer das Finale der Deutschen Cosplay Meisterschaft stattfindet. Auf der Convention Connichi in Kassel qualifiziert sich im gleichen Rhythmus ein Cosplay-Paar zur Teilnahme am World Cosplay Summit in Japan – der inoffiziellen Cosplay-Weltmeisterschaft.

Ein Gesellschaftsspiel der anderen Art

Beim Cosplay lohnt es sich also, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Schließlich handelt es sich um einen Teil japanischer Pop-Kultur mit zahlreichen Anhängern, die weltweit ihre Bühne finden. Am Ende macht eben auch dieses Spiel – wie so oft – erst in Gemeinschaft richtig Spaß!

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