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Hari Kuyō – eine Nadelandacht

Jeder, der seine Nähmaschine fleißig zum Glühen bringt, kennt es: Im Laufe zahlreicher Nähprojekte nutzen sich so einige Hilfsmittel ab – Nähmaschinennadeln bilden da keine Ausnahme. Damit die Nähte trotzdem immer perfekt werden, müssen die Nadeln also in regelmäßigen Abständen gegen neue ausgetauscht werden. Aber was passiert eigentlich mit den alten Nadeln? Wenn man keine Möglichkeit hat, sie zu recyceln, werden sie in den meisten Fällen einfach weggeworfen. Was könnte man auch sonst mit ihnen machen?

Verehrung des Alltäglichen

Auch die Japaner haben sich mit dieser Frage auseinandergesetzt und eine würdige Lösung gefunden: sie werden beerdigt. Die Idee, die dahintersteckt, ist simpel und schön zugleich.

Alltägliche Gebrauchsgegenstände, mögen sie auch noch so klein und unscheinbar sein, sollen nicht nur auf wertschätzende Weise genutzt, sondern ebenso entsorgt werden. Das lässt sich auf die japanische Weltanschauung zurückführen, dass auch Gegenstände eine Seele besitzen.

Ein Fest für eine alte Nadel

Am 8. Februar und 8. Dezember eines jeden Jahres werden deshalb die abgebrochenen, verbogenen, stumpfen und alten Nadeln in einen nahegelegenen Tempel oder Schrein gebracht. Die Teilnehmer sind dabei festlich in traditionellen Kimonos gekleidet. Die landesweite Tradition ist bei Schülern von Modefakultäten, Hobbynähern, Schneidern sowie bei Textilverarbeitenden und insbesondere bei Kimono-Herstellern beliebt.

Bei dem Fest wird Awashima no kami geehrt, eine der Gottheiten aus dem Shintōismus. Daher finden die Feierlichkeiten auch meist in Tempeln statt, die dieser Gottheit gewidmet sind. Der Ablauf der Zeremonie erinnert dabei mehr an eine Hochzeit als an eine Beerdigung und wird von einer gebührenden Feier begleitet. Der genaue Tag ist abhängig von der Region: Westjapan, Kansai und die Kyoto Region feiern im Dezember. Die restlichen Teile Japans halten Hari Kuyō  im Februar ab.

Tofu für den Wohlfühlfaktor

Für ihren letzten Gang werden die Nadeln in ein weiches Stück Tofu oder einen Konnyaku, eine Masse aus Konjakwurzel, gesteckt. Dahinter steht der Gedanke, dass die alte, abgenutzte Nadel nun eine Pause und einen gemütlichen Platz zum Ausruhen verdient hat. Während der Andacht bedankt man sich bei der Nadel und betet für den Fortgang der Nähkunst. Auch hoffen viele auf eine Verbesserung der eigenen Näh-Fertigkeiten im kommenden Jahr. Anschließend werden die mit Nadeln übersäten Schwämme auf einen Fluss oder ins Meer gesetzt. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildet häufig ein gemeinsames Essen unter Freunden. Auf eine Sache wird rund um die Feierlichkeiten jedoch überraschenderweise verzichtet: Am Tag der Zeremonie nähen die Teilnehmer traditionell nicht.

Quellenangabe:

Shintoismus - Auf dem Weg der Götter, deutschlandfunk.de, 2020
Der Shinotismus - Weg der Götter, planet-wissen.de
Awashima no kami - Japanese Wiki Corpus, japanese-wiki-corpus.org