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Quilting – Kuscheln mit Kunst

Als „Quilting“ bezeichnet man die Herstellung von Steppdecken. Viele Exemplare finden sogar ihren Weg an Wände von Kunstgalerien und Museen. Ob schlicht oder bunt, schrill oder kunstvoll – Quilts kennen keine Grenzen. Was viele nicht wissen: die außergewöhnlichen Decken haben eine lange Tradition.

„DIY“ (Do It Yourself) liegt im Trend, Individualismus und Cocooning sind heute gesellschaftliche Realität. Wir leben in einer Zeit, in der wir uns nach Individualität, aber auch nach Bodenständigkeit und Gemütlichkeit sehnen. Was liegt da näher, als den heimischen Kokon mit einer selbstgenähten Steppdecke noch schöner zu gestalten und das Wohlgefühl zu steigern! 
Einen Quilt zu nähen kann, je nach Motiv und Ambition, ein aufwendiges Unterfangen sein, bietet aber künstlerisch viele Ausdrucksmöglichkeiten. Rein handwerklich betrachtet, werden beim Quilting drei Lagen vernäht, die man als Sandwich bezeichnet. Dabei entstehen auf der Schaufläche, also der oberen Lage, durch die Quilt-Stiche meist reliefartige Optiken, die einem Quilt eine besondere Ästhetik verleihen.

Ist das Kunst?

Quilting hat sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt und ist in der amerikanischen Folk-Kultur heute nicht mehr wegzudenken. In den 1970er Jahren war das Quilten im Zuge der Popkultur und Hippiebewegung besonders angesagt und wurde dann auch in Europa populär. Das „Art-Quilting“ hat sich als künstlerische Ausdrucksform etabliert. Viele Quilts sind heute begehrte Kunst- und Designobjekte, die ihrer eigentlichen Funktion enthoben, an Wänden präsentiert werden. Die Studio Art Quilt Associates, Inc. (SAQA) ist eine gemeinnützige Organisation, die Quilt-Künstlerinnen und -Künstler und deren Werke promotet. Zu den erfolgreichen Vertreterinnen ihrer Zunft gehören zum Beispiel Katriina Flensburg, Nancy Crow, Libby Lehman, Sue Benner, Caryl Bryer Fallert, Brigitte Kopp sowie Mirjam Pet-Jacobs und andere. Kostproben des Art-Quiltings findet man in unterschiedlichen Museen und Ausstellungen rund um die Welt: 

  • Europäische Quilt-Triennale des Heidelberger Textilmuseums Max Berk (Deutschland)
  • National Quilt Museum (Paducah, Kentucky, USA)
  • International Quilt and Study Center (Lincoln, Nebraska, USA)
  • Dairy Barn Arts Center: Quilt International (Athens, Ohio, USA)

…und viele mehr!

 

Patchwork oder Quilt(ing)?

In Europa werden die Begriffe häufig synonym verwendet. Im amerikanischen Sprachgebrauch ist hingegen Quilting gebräuchlicher. Patchwork bedeutet, dass kleine Stoffstücke aneinandergenäht werden. Es bedeutet übersetzt „Flickarbeit“ oder „Stückwerk“. Nicht jeder Quilt entsteht durch diese Technik, aber viele. Quilting bedeutet (ab)steppen. Bei künstlerisch orientierten Quilts ist das Quilten/Absteppen häufig ein wesentlicher Teil der künstlerischen Arbeit.

Quilts, die ohne Patchwork auskommen, nennt man „Whole Cloth Quilts“. Bei den früheren Füllungen musste die "Steppung" in recht dichtem Abstand erfolgen, damit die Füllung auch an Ort und Stelle blieb, was zu einem eher kleinteiligen Gesamtbild führte, also dem Flickenteppich. Bei den heute zur Verfügung stehenden Füllmaterialien sind auch größere ungequiltete Flächen problemlos realisierbar.

 

Uraltes Handwerk

Die Quilting-Technik war vermutlich schon vor Jahrtausenden im Orient bekannt und breitete sich nach und nach aus. Bereits im 12. Jahrhundert trugen Kreuzritter gequiltete Wamse, die sie vor Kälte und Druckstellen schützten. Zwischen zwei Stoffen wurde dafür isolierendes Material eingenäht und durch Steppstiche fixiert und dekoriert. Bald fand diese Technik auch in der Zivilbevölkerung Europas Anklang. In Englands Armenhäusern wurde sogar Zeitungspapier als günstiges Füllmaterial verwendet. Heute sind die Füllungen meist aus speziell hergestellten Vliesen aus Polyester, Baumwolle oder Wolle (Volumenvlies). 
Die Frauen der ersten englischen Siedler brachten während der Kolonialzeit das Quilting mit in die Neue Welt. Und von den USA aus fand es seinen Weg wieder zurück in die alte Welt. Inzwischen hat es sich zu einem weit verbreiteten Hobby entwickelt, das auch durch den technologischen Fortschritt stark beeinflusst wird. So sind Geräte wie Rollschneider und Longarm-Quiltmaschinen aus handwerklicher Sicht nicht mehr wegzudenken.

Do it yourself!

Die Klassiker des Quiltings sind vor allem großformatige Überdecken – aber auch Sofakissen, Tischdecken, Taschen und Topflappen sind beliebte Anwendungen. Dazu kommen Quilts als rein künstlerische Ausdrucksform, bei der manchmal auch nicht-textile Elemente hinzugefügt werden. Quilting ist also nicht nur extrem vielseitig, sondern eine faszinierende Kombination aus Handwerk und Kunst.
Die Erfüllung im handwerklichen Erleben und die Freude am selbst erschaffenen Objekt könnten kaum größer sein!

Dieser Artikel ist in freundlicher Zusammenarbeit mit der Patchwork Gilde Deutschland e.V. entstanden. Die Patchwork Gilde Deutschland e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, das traditionsreiche Patchwork- und Quilt-Kunsthandwerk zu fördern und zu pflegen.

Quellenangabe: Die Geschichte des Patchworkquilts: Ursprünge, Traditionen und Symbolik einer textilen Kunst, Schnuppe von Gwinner; Keyser 1987

Bildnachweise
Bild 3: Patchwork Gilde Deutschland/Corea Quilt Associate (Gabriele Fischer: Bridging Gaps)
Bild 4: Patchwork Gilde Deutschland/Corea Quilt Associate (Urte Hanke: Cut)
Bild 5: Patchwork Gilde Deutschland/Corea Quilt Associate (Britta Ankebauer: It isn't easy but...)
Bild 6: Patchwork Gilde Deutschland/Corea Quilt Associate (Mi Kyung Hyun: Jeju, The island of peace)